8. DFN-Forum Kommunikationstechnologien

Montag, 08.06.2015 bis Dienstag, 09.06.2015 an der FH Lübeck

Thema: Verteilte Systeme im Wissenschaftsbereich

8. DFN-Forum Kommunikationstechnologien an der FH Lübeck

Vom 8. bis zum 9. Juni 2015 tagte das 8. DFN-Forum Kommunikationstechnologien an der Fachhochschule Lübeck. Rund 50 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung diskutierten an den zwei Tagen über neue Entwicklungen bei der Vernetzung im Hochschulbereich. Der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes e.V. (DFN-Verein) und die Fachhochschule Lübeck hatten gemeinsam mit den Zentren für Kommunikation und Informationsverarbeitung in Forschung und Lehre e.V. (ZKI) sowie der Gesellschaft für Informatik e.V. das 8. DFN-Forum zu Kommunikationstechnologien initiiert und organisiert.

In Lübeck wurde in vier Vortragsblöcken eine große fachliche Bandbreite zum Schwerpunktthema „Verteilte Systeme im Wissenschaftsbereich“ abgedeckt und behandelt. In den Themenkreisen diskutieren die Teilnehmenden in 14 Vorträgen u.a. über Management von Forschungsdaten,  Energieeffizienz, Virtualisierung und Cloud Services, wobei Fragen der Netz- und IT-Sicherheit besonders wichtig waren.

Nach Begrüßung der TeilnehmerInnen durch Dr. Rainer Bockholt (DFN-Vorstand), Prof. Dr. Andreas Hanemann (lokaler Organisator) und durch die Präsidentin der Fachhochschule Lübeck, Frau Dr. Muriel Helbig, begann der erste Vortragsblock zum Thema Datenmanagement.  In diesem ging es in erster Linie darum, den Umgang mit Forschungsdaten zu verbessern. In der Vergangenheit war zu beobachten, dass für neue Forschungsprojekte jeweils auch neue Infrastrukturen geschaffen wurden, um die anfallenden Forschungsdaten zu verwalten. Das macht es schwer einen Überblick zu behalten, was für Daten insgesamt existieren. Daher wurden in diesem Vortragsblock Forschungsprojekte für ein effektives Katalogisieren von Forschungsdaten vorgestellt. Außerdem wurde eine Infrastruktur gezeigt, mit der Klausuren elektronisch bereitgestellt werden können.

Unmittelbar nach dem ersten Vortragsblock folgte der eingeladene Beitrag von Guy Roberts, der als Senior Transport Network Architect für das europäische Forschungsnetz GÉANT tätig ist. In diesem stellte er die Entwicklung der optischen Übertragungstechnik bis hin zu den aktuell im GÉANT eingesetzten photonischen Chips dar, die eine Datenrate von 500 Gbit/s ermöglichen. Ferner zeigte er Testergebnisse von in den letzten Tagen durchgeführten „Alien Wavelength“-Tests, bei denen die Zusammenarbeit von DWDM-Technik (Dense Wavelength Division Multiplexing) unterschiedlicher Hersteller getestet wurde.

Der zweite Vortragsblock befasste sich mit den großen und fast unerschöpflichen Themen IT- und Netzsicherheit. Die Beiträge, bei denen es sich jeweils um aktuelle Promotionsvorhaben handelte, thematisierten Ansätze zur Erkennung und Analyse von verteilten Angriffen in Netzen sowie für die Erkennung von Hintertüren nach erfolgreichen Angriffen. Der Beitrag „Netzbasierte Erkennung von mittels Port Knocking versteckten Diensten und Backdoors“ der Autoren Felix von Eye (vortragender Autor), Michael Grabatin und Wolfgang Hommel wurde am Ende des DFN-Forums mit dem X-WiNner-Award ausgezeichnet. Dieser von der Fa. Dimension Data unterstützte und mit 1000 Euro dotierte Preis für den besten Beitrag eines Nachwuchswissenschaftlers wurde beim diesjährigen DFN-Forum zum ersten Mal vergeben.

Am Ende des ersten Tages fanden eine Rathausführung sowie ein gemeinsames Abendessen in den historischen Räumen des Restaurants Zimberei statt. Die Stadtwerke Lübeck unterstützten das DFN-Forum dabei durch die Bereitstellung eines Bustransfers.

Besonders abwechslungsreich und spannend startete der zweite Forumstag. Im Rahmen eines Panels wurde die Frage diskutiert: „Wie viel Überwachung braucht der Staat?“. Den thematischen Impulsvortrag lieferte Prof. Dr. Gabi Dreo Rodosek von der Universität der Bundeswehr München mit ihrem Beitrag über „Cyber Defence: Paradigmenwechsel und die neuen Herausforderungen“. Die Paneldiskutanten waren Marc Bachmann (Bereichsleiter Verteidigung und Öffentliche Sicherheit, BITKOM), Helmut Ujen (Leitender Kriminaldirektor, Bundeskriminalamt), Armin Wappenschmidt (secunet Security Networks AG), Dr. Thilo Weichert (Leiter Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein) und Frank Witte (Partner, Deloitte & Touche GmbH). Die Diskussion, an der sich auch die TeilnehmerInnen aus dem Publikum rege beteiligten, ging anfangs um den Nutzen der Vorratsdatenspeicherung bei der Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung und welche Speicherfristen dabei sinnvoll sind. Im weiteren Verlauf ging es mehr und mehr um die Fragen, welche Gefahren als relevanter einzuschätzen sind (z.B. Gefahren für Leib und Leben durch terroristische Anschläge gegenüber jährlichen Grippetoten) und welchen Organisationen (Bundeskriminalamt, Geheimdienste, große amerikanische Internetkonzerne) man wie weit vertrauen kann. Außerdem wurde diskutiert, wie man als deutsche und europäische Internetwirtschaft auf die Situation reagieren kann oder ob ähnlich wie bei Airbus der Aufbau von europäischen Internetkonzernen mit vergleichbarer Größe wie Google, Facebook, etc gezielt politisch gefördert werden müsste. Zum Abschluss wurde diskutiert, ob die Nutzung von Verschlüsselung durch die BürgerInnen als Notwendigkeit angesehen wird und welcher Nutzen vom neuen IT-Sicherheitsgesetz zu erwarten ist.

Der anschließende dritte Vortragsblock behandelte das Thema „Sichere Netzdienste“. Hierbei ging es um die Evaluation von sicheren Sync&Share-Diensten, d.h. um Dienste, die eine Alternative zum populären, aber aus Datenschutzsicht kritischen Dienst Dropbox darstellen. In einem weiteren Beitrag wurde die Einführung von Network Access Control an einer Behörde vorgestellt sowie der Grad der Sicherheitsverbesserung und die Verwendbarkeit für Hochschulen diskutiert. Am Ende wurde ein verbessertes Netzwerkmanagement an der TU Berlin gezeigt, mit dem eine dezentrale Verwaltung der Netzinfrastruktur möglich ist.

Der abschließende Vortragsblock am Dienstag nachmittag behandelte Themen rund um das Cloud Computing. Es wurde ein Testbed im Kontext des europäischen Wissenschaftsnetzes vorgestellt, mit dem neue Netzkonzepte zu Software Defined Networks isoliert, aber in einem realen Weitverkehrsnetz, getestet werden können. Mit der Abschottung von Netzen unterschiedlicher Organisationen, die auf einer gemeinsamen Infrastruktur (in diesem Fall innerhalb eines Rechenzentrums) aufsetzen, hatte der zweite Vortrag ein verwandtes Thema. Im abschließenden Beitrag ging es um den Energieverbrauch innerhalb eines Rechenzentrums, wenn eine Migration von virtuellen Maschinen auf andere Hardware notwendig ist.

Die Folien der Vorträge erhalten Sie auf der Programm-Seite. Den Call for Papers finden Sie hier im PDF-Format.

Links zu den bisherigen Veranstaltungen in der Reihe der DFN-Foren finden Sie im Web-Auftritt des DFN unter Technologieforum. Das 9. DFN-Forum Kommunikationstechnologien findet am 31.05./01.06.2016 an der Universität Rostock statt.

Themenkreise

TK I: Neue Netztechnologien und Infrastruktur

Drahtlose Zugangstechnologien

Software Defined Networking

Network Functions Virtualization (NFV)

Internet of Things

Netze für High Performance Computing

TK II: ITC Management & Sicherheit

Management von Grids&Clouds

Service Management

Identity Management, AAI, Accounting

Intrusion Detection

Next Generation Firewalls

IT Security Awareness

Hochschullehre und IT-Sicherheit

TK III: Infrastrukturen für eResearch

Grid Computing: Community Grids, Betriebsmodelle, Nachhaltigkeit

Cloud Computing

Service Oriented Computing & Architectures

Virtuelle Forschungsumgebungen

Forschungsdatenmanagement

Big Data in eScience und dessen Netzaspekte

TK IV: IT-Zukunftsperspektiven

Wissenschaftsvernetzung in 10 Jahren

Künftige IT-Infrastrukturen für Forschung und Lehre

HPC-Infrastrukturen in Europa

Cloud Services: Herausforderung für die Governance der Hochschul-IT?

Dimension Data unterstützte das DFN-Forum als Sponsor.
Stadtverkehr Lübeck stellte freundlicherweise einen Bustransfer zur Tagung bereit.

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Prof. Dr. Andreas Hanemann
Fachbereich Elektrotechnik und Informatik
Tel: +49 451 300-5321
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